Eine offene Rechnung

Es ist Anfang September. Es ist spätsommerlich warm und ich habe gerade Urlaub. Eigentlich perfekte Bedingungen zum wandern. Und genau das habe ich auch vor, denn ich habe noch eine offene Rechnung mit dem Ith-Hils-Weg.

Der Ith-Hils-Weg ist ein 80km langer Rundweg, der sogar als Qualitätsweg Wanderbares Deutschland vom deutschen Wanderverband zertifiziert ist.

Vor drei Jahren wollte ich den Weg im Sommer gehen, autark ohne irgendwo einzukehren. Damals hatte ich noch keine leichte Trekking Ausrüstung und so habe ich das genommen was ich vom Bushcraften hatte: einen schweren, militärischen und viel zu großen Rucksack, schweres und viel zu großes Kochgeschirr und auch sonst viel unnötiges Zeug. Ich wusste es damals halt nicht besser, denn es sollte meine erste Trekkingtour werden. Ich bin also mit einem 19kg schweren Rucksack bei sommerlichen Temperaturen um die 30 Grad los gezogen. Der erste Tag verlief gut, ich schaffte über 30km. Im Nachhinein betrachtet war das zuviel und so war ich am Abend dementsprechend fertig. Am nächsten Tag ging es über den Ithkamm Richtung Hils. Ich quälte mich den sehr hügeligen und zugewucherten Kammweg entlag bis zum Wasserbaum bei Ockensen. Dort wollte ich mein Lager aufschlagen und mein Wasser nachfüllen. An dem Punkt war ich körperlich schon so fertig das ich kaum noch einen Fuß vor den anderen setzen konnte. So hätte ich keinen weiteren Tag durchgehalten und beschloss, die Tour abzubrechen. Zum Glück liegt der Weg bei mir in der Gegend und so konnte mich ein Kumpel abholen. Ich nahm mir vor, meine Ausrüstung für Trekkingtouren leichter zu machen und dann den Weg nochmal in Angriff zu nehmen.

Jetzt war es soweit: über die Jahre habe ich leichte Ausrüstung zusammen getragen und kam am Ende auf ein Rucksackgewicht von knapp 12kg. Da sind zwei Liter Wasser und Nahrung für drei Tage mit drin. Das Rucksackvolumen ist dabei von 60 auf 40l geschrumpft. Natürlich habe ich mir die Ausrüstung nicht nur für den ith-Hils-Weg zusammen gestellt, sondern auch für Touren im Harz und weitere Mehrtagestouren die noch folgen.

Gepackt für drei autarke Tage Ith-Hils-Weg. 6,4kg Baseweight, 5800kcal Verpflegung und 2l Wasser. Macht zusammen 11,8kg.

Gestartet bin ich wieder direkt von der Haustür aus. Ich ging bis nach Brunkensen an den Punkt, an dem ich die Tour auch schon vor drei Jahren gestartet habe. Von dort aus ging es direkt hoch auf den Kammweg des Duinger Berges. Dieser schmale Singletrailabschnitt ist sehr schön und man hat immer wieder tolle Aussichten. Leider endet der Naturpfad kurz vor dem Steinbruch von Marienhagen. Ab da geht es auf der Forstautobahn weiter. Ich erreichte zum Mittag den Leinebergland Balkon, wo ich erstmal eine Pause machte. Hier hat man eine tolle Aussicht auf den Külf, die sieben Berge und das Leinebergland.

Weiter auf der Forstautobahn, durch den Ort Marienhagen, rein in den Thüster Berg. An einer Quelle, die an dem Weg liegt, habe ich eine weitere Pause gemacht und mein Wasser aufgefüllt. In der letzten Zeit war es sehr trocken und so tröpfelte die Quelle auch nur noch. Wasser ist auf dem Ith-Hils-Weg sowieso rar. Es gibt nicht viele Quellen und wenn, dann muss man extra Kilometer in Kauf nehmen.

Nach einigen weiteren Kilometern auf der Forststraße, erreichte ich den Lönsturm auf dem Kanstein. Auch hier machte ich eine kurze Pause. Auf den Turm bin ich nicht gegangen, da ich Höhenangst habe. Aber da oben hat man bestimmt auch eine tolle Aussicht.

Ab da ging es wieder weiter auf einem Naturpfad bergab Richtung Salzhemmendorf. Der Weg führt durch eine Felsenlandschaft und durch einen alten Steinbruch. Dieser bietet sich als Lagerplatz für Leute an, die mit einem Bodensetup unterwegs sind. Ich hatte aber mein Hängematten Setup dabei und fand dort keine passenden Bäume. Also ging ich noch ein Stück weiter bis ich relativ nah am Ort einen Platz fand. Im Nachhinein hätte ich mein Lager besser schon vor dem Steinbruch in der tollen Felsenlandschaft aufschlagen sollen, denn so nah am Ort war es in der Nacht sehr laut.

Zu Essen gab es eine Trekkingmahlzeit von Decathlon. Kartoffelbrei mit Hackfleisch und Käse. Geschmacklich so naja, mit einem Schuss Olivenöl für extra Kalorien dann aber doch ganz ok. Ich war immerhin satt. Nach der abendlichen Katzenwäsche schlummerte ich auch bald in meiner Hängematte.

Am nächsten Tag beschloss ich, den Weg in vier statt drei Tagen zu gehen. Jeden Tag 30km muss ich mir nicht antun, denn ich habe ja schließlich Urlaub und somit Zeit. Dafür musste ich aber noch etwas zu essen in Salzhemmendorf einkaufen. Dort kaufte ich auch noch einen Liter Wasser um meinen Vorrat für den Rest des Weges auf drei Liter aufzustocken. Zwei Liter sind etwas wenig wenn man morgens nicht auf seinen warmen Kaffe und Porridge verzichten möchte. Und wer weiß ob die nächsten Quellen überhaupt noch Wasser führen.

Es ging weiter durch die Feldmark Richtung Ithkopf. Der Weg führt um den Berg herum und man geht auf der gegenüber liegenden Seite den Berg hoch zur Felsformation Adam und Eva. Warum man diesen Abschnitt so geplant hat ist mir ein Rätsel, wie auch noch andere Abschnitte die ich, aus meiner Sicht, anders legen würde. Der Weg bietet an diesem Abschnitt nichts schönes was die extra Kilometer rechtfertigen würden. Ich persönlich würde etwas weiter in die Ortschaft Lauenstein gehen (und vielleicht noch einen Abstecher zur Burgruine machen), den Wellenweg entlang und dann durch das Naturschutzgebiet Saubrink auf dem Roswitha Weg hoch zur Felsformation Teufelsküche. Dann ist man auch auf dem Ithkammweg und sieht noch etwas mehr interessante Felsen und Klippen,als wenn man den vorgesehenen Weg geht.

Mit dem Ithkammweg beginnt einer der schönsten Abschnitte des Weges. Es geht auf einem Naturpfad entlang an vielen Klippen und durch schönen Wald. Zur Bärlauchsaison kann man hier ein schier entloses Bärlauchfeld bewundern. Es ist wirklich ein traumhafter Weg! Jedenfalls bis zur Landstraße 425, die über den Ith führt. Ab da beginnt ein Teil des Ithkammweg den ich keinem empfehlen würde, der nicht trittsicher ist. Der Kammweg ist sehr schmal und zur Vegetationszeit stark zugewuchert, so das man kaum sieht wohin man tritt. Und das macht es aus meiner Sicht auch gefährlich, denn man kann schnell mal in ein Loch oder auf einen losen Stein treten. Außerdem sammelt man auf diesem Abschnitt viele Höhenmeter durch das ständige auf und ab. Das ist schon sehr anstrengend.

Ich hatte noch überlegt ob ich den Abschnitt gehen soll oder auf der parallel verlaufenden Forststraße weiter Richtung Hils. Immerhin hat mir dieser Abschnitt vor drei Jahren den Rest gegeben. Da ich aber mit einem erheblich leichteren Rucksack unterwegs war, entschied ich mich für den Kammweg. Diese Entscheidung sollte sich noch als Fehler heraus stellen.

Die ersten paar hundert Meter waren noch nicht so stark zugewachsen, was sich aber bald ändern sollte. Außerdem lagen doch einige umgestürzte Bäume auf dem Weg. Mehr als ich in Erinnerung hatte. Der Pfad wurde immer schmaler, man konnte kaum sehen wohin man tritt. Ich stieg über einen auf dem Weg liegenden Baumstamm, auf einen losen Stein und knickte so heftig mit dem Fuß um das es mich direkt gelegt hat. Zum Glück ist nichts weiter passiert, doch das war erstmal ein Schreckmoment. Ich beschloss den Kammweg bei der nächsten Gelegenheit zu verlassen. Mir war es so einfach zu gefährlich und wirklich schön war es da oben auch nicht. Ich ging bergab Richtung Ockensener Wasserbaum. Dort wollte ich eh mein Wasser auffüllen und dann auch vorsorglich mal den Knöchel kühlen.

Der Wasserbaum von Ockensen liegt nicht direkt am Ith-Hils-Weg, ist aber eine lokale Sehenswürdigkeit. Darum frage ich mich auch hier wieder warum man den Weg an sowas vorbei plant. Zum Wasserbaum selbst: Der Wasserbaum geht zurück auf ein Sägewerk, das zwischen 1904 und 1926 in Ockensen betrieben wurde. Um eine elektrische Turbine mit Wasserkraft antreiben zu können, war ein Mühlenteich einige hundert Meter hangaufwärts am Ith angelegt worden, aus dem das Wasser durch Rohre in das Sägewerk geführt wurde. Für den Betrieb der Turbine musste dieser Stauteich gut gefüllt sein, sodass der Sägemüller zuvor zum Teich gehen musste, um den Füllstand zu überprüfen. Um diesen lästigen Gang zu erübrigen und schon vom Sägewerk aus erkennen zu können, ob der Teich vollgelaufen war, errichtete der Sägemüller Hermann Meyer unterhalb des Stauteiches ein hohes hölzernes Überlaufrohr. Wenn der Stauteich gut gefüllt war, sprudelte aus dem Überlauf Wasser. Aus dem stark kalkhaltigen Wasser fällt der Kalk bei Luftberührung aus und lagert sich in großen Mengen als Kalktuff am Überlauf ab, zusätzlich siedelten sich Moose an. Dadurch hat dieser Überlauf heute das kuriose Aussehen eines hohen moosbewachsenen Baumstumpfes erhalten, aus dessen oberem Ende Wasser quillt. (Quelle: Wikipedia)

Vom Wasserbaum aus bin ich dann am Waldrand entlang und später durch die Feldmark gegangen. Den Weg fand ich weitaus schöner , denn man kann weit über die Felder sehen. Eigentlich wollte ich dann am NSG Sollberg vorbei, auf den Rundweg DU5 und weiter auf einem Forstweg wieder hoch zum Kammweg. Denn ab dort kenne ich den Weg wieder und weiß das er gut passierbar ist. Aber soweit sollte es nicht kommen, denn unterwegs schmerzte mein Fuß, mit dem ich umgeknickt war, immer mehr. Letztendlich schmerzte er so sehr, das ich kaum auftreten konnte und einen meiner Trekkingstöcke als Krücke nutzen musste. Da war mir klar, das ich die Tour nicht mehr fortsetzen kann. Ich schleppte mich zur Straße am Humboltsee, wo ich mich abholen ließ.

Werde ich den Ith-Hils-Weg noch einmal gehen? Nein. Denn bis auf die wenigen Kilometer die ich vom Kammweg ausgelassen habe, kenne ich den Rest von dem Weg. Denn ich bin auf Teilen davon immer mal wieder unterwegs gewesen.

1 Kommentar

  1. Schöner Bericht, auch wenn ich den Weg jetzt nach Deiner Beschreibung nicht brauche. Das mit dem Gepäck-Gewicht kenne ich, Du bist da ja schon auf einen sehr guten Wert gekommen – ich läge wahrscheinlich drüber.
    Grüße

Schreibe einen Kommentar

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.