Es läuft halt nicht immer alles wie geplant…

Das muss man sich immer mal wieder eingestehen. Es ist Anfang September, ich habe gerade Urlaub und die Temperaturen sind wieder auf einem erträglichen Level. Mir stand der Sinn nach Wandern im Harz, 2 bis 3 Tage sollten es sein. Es fehlten nur noch 11 Stempel bis zum Wanderkönig, also schaute ich wo man in der geplanten Zeit möglichst schnell viele Stempel zusammen bekommt. Entlang des Südharz gab es einige Stempel an die man relativ nah mit dem Auto ran kam. Ich plante also quasi einen Roadtrip mit Wanderungen. Insgesamt 24 Stempel hätte ich dabei holen können. Aber es kam anders, dazu später mehr.

Nach etwas mehr als einer Stunde Fahrt erreichte ich das erste Ziel, den Parkplatz „An der Einhornhöhle“. Von dort aus ging es über einen Baumlehrpfad zur Einhornhöhle, wo es den Stempel Nr. 101 zu holen gab. Leider muss man sich vorab anmelden um die Höhle zu besichtigen. Also ging es direkt weiter zur Burgruine Scharzfels, den Stempel Nr. 151 holen. Dort gibt es noch eine intakte Burgmauer die in den Stein gehauen ist, mit Räumen, Durchgängen und Treppen. Und nicht zu vergessen einer tollen Aussicht! Außerdem erfährt man über diverse Tafeln viel über die Geschichte und die Nutzung der Burg. Eine Bewirtung gibt es hier genau so wie an der Einhornhöhle. Etwas von der Burg entfernt steht eine sehr schöne alte Hainbuche und noch etwas weiter der Frauenstein. Das ist ein Rest einer kleineren Burg.

Vom Parkplatz bis zur Einhornhöhle, weiter zur Burg und zurück sind es 4,3km. Das ist auch für Familien zu schaffen, nur mit Kinderwagen wird es schwierig den doch steilen Burgberg hinauf zu kommen. Hier ein paar Impressionen:

Zurück am Parkplatz ging es auch direkt weiter zur nächsten Tour bei Bad Lauterberg. Ich steuerte einen großen Parkplatz zwischen Bad Lauterberg und Kupferhütte an. Von dort aus ging es auf eine 19km lange Tour mit 4 Stempeln. Ich ging in Richtung Kupferhütte und bog am Forsthaus nach Westen ab, um zum Knollenkreuz zu kommen. Dort gab es den Stempel Nr. 152 an der Henschel Köte. Weiter ging es Richtung Norden über den Großentalsköpfe und Bärentalsköpfe in Richtung Großer Knollen. Der Weg verlief über ein langes Stück auf einem Naturpfad und man konnte an einer Stelle bis zum Brocken sehen. Auf dem Großen Knollen gibt es einen Aussichtsturm mit Bewirtung und den Stempel Nr. 150. Ich habe auf einer Bank unterhalb des Berges eine Rast gemacht und oben nur den Stempel geholt. Hatte keine Lust mich für ein Getränk anzustellen und auf den Turm wäre ich auch nicht gegangen wegen meiner Höhenangst auf Gebäuden.

Es war ein sonniger Tag und ich konnte wunderbare Aussichten genießen. Da ich in der Woche unterwegs war, hatte ich meine Ruhe und bin nur wenigen Leuten begegnet. Es ging weiter nach Nordosten zum Goedeckenplatz wo es den Stempel Nr. 153 gibt. Dort habe ich auf einem Baumstamm eine weitere, kurze Rast gemacht und die Sonne genossen. Mit mir ein kleiner Salamander, der auf einmal neben mir saß 🙂

Ab dort war ich auch schon auf dem Rückweg. Ich merkte aber schon das mir die Kilometer und Höhenmeter in den Füßen und Beinen stecken, was sich später noch verschlimmern sollte. Der Weg verlief teilweise auf der Strecke des Baudensteigs und beim Gödeckenkopf habe ich einen Abstecher zur Krummen Lutter gemacht, um mein Wasser auf zu füllen. Dann begann es auch schon schmerzvoll zu werden, denn ich habe für diese Tour bei dem Wetter eine unpassende Kombination aus schweren Lederstiefeln und leichten Socken gewählt. Die Socken waren neu und haben im Stiefel gescheuert, was zu einer Blase an der Ferse geführt hat. Sonst hatte ich nie eine Blase mit den Stiefeln. Was ich zu der Zeit noch nicht wusste, weil ich gar nicht drauf geachtet habe: durch viele Abstecher vom Weg hatte ich zusammen mit der ersten Tour schon 25km und 600 Höhenmeter gesammelt, davon 20km mit 13kg auf dem Rücken. Ich war also dementsprechend erschöpft, aber bis zu meinem gewählten Lagerplatz war es noch gut ein Kilometer. Ein Kilometer der sich als Kilometer der Hölle heraus stellte. Die Hütte die ich auf der Karte ausgemacht habe, lag an einem Kammweg der wohl schon länger nicht mehr genutzt wurde. Aus gutem Grund, es ging hoch und runter und die kurzen Anstiege hatten es in sich. Auch die Hütte wurde augenscheinlich lange nicht mehr besucht. Es gab eine kleine Feuerstelle in der schon kleine Bäume wuchsen und der letzte eingeritzte Eintrag in der Hüttenwand war von 2006.

Aber um so besser, dann habe ich meine Ruhe und muss nicht mit plötzlichen Besuch rechnen. Ich hing meine Hängematte auf und bereitete mir in der Hütte erstmal was zu Essen. Ich halte ja nicht viel von Fertigessen, aber dehydrierte Trekkingnahrung hat ein unschlagbar niedriges Gewicht. Nur sind Trek´n´Eat und Co teuer, also probierte ich Pasta aus der Tüte von Knorr aus. Das habe ich mir in einen Ziplock Beutel umgefüllt, es mit 300ml kochendem Wasser übergossen, vorsichtig umgerührt, den Beutel verschlossen und in meinen DIY Warmhaltebeutel aus einer Windschutzscheibenabdeckung getan. Ich habe es 20 Minuten ziehen lassen und in der Zeit meinen Underquilt angebracht und alles für die Nacht vorbereitet. Auch war ich froh mal die Schuhe und Socken aus zu ziehen. Mir war dann auch klar das die Tour für mich zu Ende ist. Ich hatte kein Blasenpflaster in meinem Erste Hilfekit und wenn die Blase auf der nächsten Tour aufgegangen wäre, hätte ich schlechte Karten gehabt. Ich schaufelte mir die Nudeln mit Käsesoße rein, nahm eine Magnesiumtablette und schaute mir den dicken Forstmeister an. Das ist ein uralter Ahorn mit einem imposanten Stammdurchmesser von bestimmt 1,5m. Aber von dem Baum war nur noch die Hälfte da, irgendwann muss in ihm ein Blitz eingeschlagen sein. Dem Baum ging es augenscheinlich gut, die übrig gebliebene Krone war voll mit Blättern. Unglaublich was so ein Baum weg stecken kann.

Die Nacht brach herein und ich schlummerte schon lange in meiner Hängematte, als ich durch ein Röhren wach wurde. Ein Hirsch! Sowas habe ich zuletzt vor fast 20 Jahren bei einer Tour mit den Pfadfindern bei Wildemann gehört. Richtig cool! In der Gegend in der ich wohne gibt es keine Hirsche.

Ich schlief relativ lange, wachte erst kurz vor 8 auf. Mit dem letzten Rest in meiner Gaskartusche machte ich mir einen grünen Tee, packte dann meine Sachen zusammen und machte mich auf den Weg zurück zum Parkplatz. Unterwegs fand ich dann auch noch eine Hirschspur, vielleicht ja die von dem Hirsch aus der vergangenen Nacht. Auf dem Weg lag noch Stempel Nr. 115 am Bismarckturm, den ich noch mit nahm. Insgesamt war ich über 30km unterwegs, habe 650 Höhenmeter und 6 Stempel der Harzer Wandernadel gesammelt.

Ich hoffe, mein Bericht hat dir gefallen. Lass mir doch gern einen Kommentar da!

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